Pharmaaktien haben in den letzten Jahren durch die Entwicklung und Vermarktung von Medikamenten zur Behandlung von Übergewicht und Diabetes erheblich an Wert gewonnen. Vor allem Eli Lilly war mit den Medikamenten Mounjaro (Diabetes) und Zepbound (Adipositas) führend und sorgte durch positive Marktaussichten für Euphorie unter Anlegern. Doch der aktuelle Quartalsbericht des Unternehmens dämpfte diese Erwartungen erheblich. Trotz großer Nachfrage verfehlte Eli Lilly die Umsatzprognosen und musste die Jahresziele anpassen. Dies führte zu einem spürbaren Kursrückgang, der bei vielen Investoren Fragen aufwirft.
Analyse der Quartalszahlen
Eli Lillys Umsatzzahlen im dritten Quartal 2023 blieben mit 11,4 Milliarden Dollar weit hinter den Erwartungen zurück, die auf etwa 12,2 Milliarden Dollar gesetzt waren. Beim bereinigten Gewinn pro Aktie enttäuschte das Unternehmen ebenfalls, da dieser nur 1,18 Dollar betrug, während Analysten von 1,51 Dollar ausgegangen waren. Grund für die schwache Performance war unter anderem eine unerwartete Belastung durch Übernahmekosten von etwa 2,8 Milliarden Dollar, die laut Unternehmensangaben im Zuge des Erwerbs von DICE Therapeutics, Versanis Bio und Emergence Therapeutics anfielen. Dies führte zu einem negativen Nettoergebnis von 57,4 Millionen Dollar in diesem Quartal, ein starker Rückgang gegenüber einem Gewinn von 1,45 Milliarden Dollar im Vorjahresquartal.
Hinsichtlich der Hauptumsatzträger enttäuschte Mounjaro, dessen Einnahmen bei 3,11 Milliarden Dollar lagen und somit deutlich unter den erwarteten 3,62 Milliarden Dollar. Auch Zepbound verfehlte mit 1,26 Milliarden Dollar die Schätzungen, die bei etwa 1,63 Milliarden Dollar angesetzt waren. Die Umsatzschwäche begründet Eli Lilly mit einem Bestandsabbau bei Großhändlern, da Produktionskapazitäten in den letzten Monaten erweitert wurden und der Markt diese nun verdauen muss. Obwohl CEO David Ricks weiterhin von einer hohen Nachfrage spricht, belasteten die enttäuschenden Umsätze und die Lagerabwicklung den Aktienkurs spürbar.
Prognose und Ausblick
Aufgrund der verfehlten Quartalsziele und der Unsicherheit im Marktumfeld senkte Eli Lilly auch die Prognose für das Gesamtjahr. Der bereinigte Gewinn pro Aktie wird nun in einer Spanne von 13,02 bis 13,52 Dollar erwartet, deutlich unter der vorherigen Zielvorgabe von bis zu 16,60 Dollar. Der Umsatz soll sich auf etwa 45,4 bis 46 Milliarden Dollar belaufen, was eine konservativere Einschätzung des Marktpotenzials widerspiegelt.
Für den Konkurrenten Novo Nordisk, dessen Quartalszahlen am 6. November erwartet werden, besteht angesichts ähnlicher Herausforderungen ebenfalls Unsicherheit. Novo Nordisk investierte ebenfalls stark in Kapazitätserweiterungen für die Medikamente Ozempic (Adipositas) und Wegovy (Diabetes). Die Dänen hoffen jedoch, dass sich die Produktionssteigerungen positiv auf die Nachfrage auswirken und eine Stabilisierung des Aktienkurses bringen. Die „Obesity Week“ Anfang November, auf der viele neue Forschungsergebnisse und mögliche Anwendungsgebiete für Adipositas-Medikamente vorgestellt werden, könnte hier weitere Impulse geben und bietet beiden Unternehmen die Möglichkeit, Vertrauen in den Markt zurückzugewinnen.
Handelsempfehlung
Infolge der jüngsten Kursverluste sehen Investoren bei Eli Lilly und Novo Nordisk gemischte Signale. Kurzfristig könnten sich die Aktien in einer Konsolidierungsphase bewegen, insbesondere angesichts der Unsicherheit bei der Nachfrageentwicklung und der Marktbedingungen. Langfristig bleibt jedoch der Markt für Diabetes- und Adipositas-Medikamente attraktiv. Eine stabile Nachfrage wird nach wie vor prognostiziert, und die Pipeline beider Unternehmen weist weiteres Potenzial auf, gerade wenn neue Anwendungsgebiete und Märkte erschlossen werden können.
Anleger sollten jedoch eine vorsichtige Haltung einnehmen und auf klarere Signale aus der „Obesity Week“ sowie auf die Quartalszahlen von Novo Nordisk am 6. November warten, bevor sie Entscheidungen treffen.



