Das Jahr 2025 markiert einen Wendepunkt für Tesla: Der einst führende Elektropionier musste nicht nur sinkende Fahrzeugauslieferungen verzeichnen, sondern auch den Thron als größter Hersteller von Elektrofahrzeugen an den chinesischen Konkurrenten BYD abtreten. Nach Jahren des dominanten Wachstums steht der US-Konzern nun vor grundlegenden strategischen Herausforderungen – und Anleger fragen sich, ob die Aktie noch ein Kauf ist oder eher Vorsicht geboten ist.
Analyse der aktuellen Lage
Tesla meldete für das Geschäftsjahr 2025 rund 1,64 Millionen ausgelieferte Fahrzeuge – ein Rückgang von fast 9 % gegenüber dem Vorjahr, während BYD über 2,26 Millionen BEVs verkaufte und sich damit zum größten E-Auto-Hersteller der Welt krönte. Besonders deutlich zeichnete sich der Einbruch im vierten Quartal ab: Die Auslieferungen fielen um mehr als 15 % gegenüber dem Vorjahr und blieben deutlich unter den Analystenerwartungen.
Diese Entwicklung ist mehr als eine nur vorübergehende Schwankung. Erstmals seit Jahren sieht sich Tesla mit negativem Jahreswachstum konfrontiert – ein Phänomen, das den Markt erschüttert und die Aktie unter Druck setzt. Gleichzeitig erfährt Tesla noch immer Unterstützung durch spekulative Projekte wie autonome Robotaxis oder humanoide Roboter, doch die reale Nachfrage nach Fahrzeugen bleibt hinter den Erwartungen zurück.
Faktoren für die aktuelle Entwicklung
Einige Kernfaktoren spielen bei Teslas Absatzschwäche eine Rolle:
- Ende der US-Elektroauto-Steuerprämie: Das Auslaufen des 7.500 USD-Steuerguthabens im September 2025 hat die Nachfrage im größten Markt massiv eingebremst, indem Preisvorteile wegfielen, die zuvor Kaufentscheidungen beschleunigten.
- Intensivierter Wettbewerb: Konkurrenten wie BYD, aber auch traditionelle Konzerne mit neuen EV-Modellen haben die Preisschere für Verbraucher verbreitert und Tesla Marktanteile abgenommen.
- Regionale Absatzschwächen: In wichtigen Regionen wie Europa und Nordamerika verlor Tesla im Jahresverlauf spürbar Boden, während BYD und andere Marken insbesondere in Asien stark zulegen konnten.
- Markenimage und CEO-Kontroversen: Öffentliche Kontroversen um Unternehmensführung und politische Statements werden von einigen Marktbeobachtern als Faktor für rückläufige Käuferakzeptanz gesehen.
Prognose und Ausblick
Kurzfristig (6–12 Monate): Der EV-Markt wird volatil bleiben, da die Nachfragedynamik ohne steuerliche Anreize unsicher ist. Analystenschätzungen gehen davon aus, dass Tesla seine Auslieferungen auf dem niedrigen Niveau stabilisieren könnte, jedoch ohne überzeugende Erholung, solange Preisstrategien und Modellpipeline nicht deutlich attraktiver werden.
Langfristig (12–36 Monate): Teslas Fokus auf neue Technologien (z. B. autonome Lösungen, Energieprodukte) könnte die Ertragsbasis verbreitern. Allerdings ist der Wettbewerb intensiver als jemals zuvor, und BYD baut sich als ernsthafte globale Nummer 1 im E-Auto-Segment auf. Langfristiges Wachstum hängt stark davon ab, ob Tesla seine Markenstärke und Preisposition verteidigen kann, ohne die Margen zu erodieren.
Auswirkungen auf Investoren und Börsen
Die enttäuschenden Auslieferungszahlen haben die Tesla-Aktie (TSLA) kurzfristig belastet, mit Kursbewegungen, die stark auf Reaktionen der Anleger gegenüber Wachstumssorgen und Wettbewerbstrends reagieren. Gleichzeitig bleibt die Bewertung von Tesla höher als viele traditionelle Autohersteller, was die Aktie sensibel gegenüber Nachrichten und Sentiment macht.
Wichtige Börsenkennzahlen, wie Umsatz- und Gewinnprognosen, dürften in den kommenden Quartalen eng mit Lieferzahlen und Marktanteilsdaten korrelieren – ein Risiko, das sowohl Chancen als auch Volatilität für Trader birgt.
Handelsempfehlung
Rating: Hold / Neutral
Kursziel (12 Monate): $450 – $550 USD
Potenzial relativ zu aktuellem Niveau: Leicht Abwärts bis Seitwärts
Zeithorizont:
- Kurzfristig: Neutral bis leicht negativer Bias
- Langfristig: Neutral mit Chancen bei Technologie-Breakouts
Begründung:
Tesla steht strategisch an einer Weggabelung: Die Fundamentaldaten im Automobilsegment zeigen Schwäche, doch Innovations- und Zukunftsbewertungen bleiben im Kurs eingepreist. Das aktuelle Bewertungsniveau reflektiert bereits ein gewisses Risiko, doch gleichzeitig ist die Aktie nicht billig genug, um eine klare Buy-Empfehlung zu rechtfertigen. Anleger sollten Positionen eher halten oder neue Engagements vorsichtig dosieren, insbesondere auf niedrigeren Niveaus.
Mögliche Katalysatoren:
- Stabile Lieferzahlen über mehrere Quartale hinweg
- Erfolgreiche Einführung neuer Modelle oder preisaggressiver Varianten
- Fortschritte bei autonomen und Energie-Segmenten
- Strategische Allianzen oder Kostensenkungsprogramme
Risiken:
- Fortgesetzter Marktanteilsverlust
- Weitere Nachfrageeinbrüche in Hauptmärkten
- Produktionsprobleme oder Lieferkettenstörungen
Vergleichbare Aktien:
- BYD Co. – Outperformer im EV-Segment
- Volkswagen, Stellantis, Toyota – traditionelle OEMs mit wachsendem EV-Portfolio
Fazit
Tesla steht am Scheideweg: Die Zeiten des unangefochtenen Wachstums im EV-Segment sind vorerst vorbei, ersetzt durch harte Realität eines zunehmend kompetitiven globalen Marktes. Für Investoren bedeutet das: Aktie halten, aber nicht aggressiv nachkaufen. Eine neutrale Position schützt vor kurzfristigen Rückschlägen und lässt Raum für Long-Chancen, wenn Tesla seine strategischen Initiativen erfolgreich umsetzt.




