Gefahr eines Börsencrashs: Goldman Sachs warnt vor gestiegenen Risiken

Die globalen Aktienmärkte haben nach einer Phase starker Performance mit neuen Unsicherheiten zu kämpfen. Die Investmentbank Goldman Sachs warnt davor, dass die Wahrscheinlichkeit einer Marktkorrektur gestiegen ist. Ihr firmeneigenes Risikomodell beziffert die Wahrscheinlichkeit eines Rücksetzers in den nächsten sechs Monaten auf 30 %. Dies liegt deutlich über dem langfristigen Durchschnitt und signalisiert potenziell größere Turbulenzen am Markt.

Marktanalyse: Aktuelle Entwicklungen und Herausforderungen

Ein Hauptgrund für diese Einschätzung ist die Kombination aus makroökonomischen und geopolitischen Risiken. Insbesondere die anhaltenden Spannungen in der globalen Politik, wie der mögliche Amtsantritt von Donald Trump im Jahr 2025, könnten das Vertrauen der Anleger erschüttern. Hinzu kommt, dass steigende Rohstoffpreise, insbesondere im Energiesektor, die Inflationsdynamik erneut befeuern.

Die Breakeven-Inflationsraten, ein Maß für die Inflationserwartungen der Märkte, haben in den letzten Wochen in den USA ein Mehrjahreshoch erreicht. Dies könnte die Notenbank (Federal Reserve) dazu zwingen, länger an einem restriktiven geldpolitischen Kurs festzuhalten, was potenziell höhere Zinsen und sinkende Aktienbewertungen zur Folge hätte.

Makroökonomische Indikatoren und Marktreaktionen

  1. Inflation und Zinsen
    Die jüngsten Inflationsdaten zeigen eine Erholung der Preissteigerungsraten, insbesondere getrieben durch höhere Energiepreise und anhaltende Angebotsengpässe in wichtigen Sektoren. Diese Entwicklung hat die Renditen von Staatsanleihen ansteigen lassen. Die Rendite der 10-jährigen US-Treasuries erreichte kürzlich 4,85 %, was den höchsten Stand seit über einem Jahrzehnt markiert. Solche Bewegungen setzen vor allem wachstumsorientierte Aktien unter Druck, da höhere Zinsen die zukünftigen Gewinne dieser Unternehmen abwerten.
  2. Geopolitische Unsicherheiten
    Neben der politischen Lage in den USA belasten Spannungen in Europa und Asien die Märkte. Die anhaltenden Konflikte in der Ukraine sowie neue Spannungen zwischen China und den USA über Handel und Technologie tragen zu einer zunehmenden Risikoaversion bei Investoren bei.
  3. Bewertungen und Liquidität
    Die Bewertungen an den Aktienmärkten, insbesondere in den USA, sind auf einem historisch hohen Niveau. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) des S&P 500 liegt bei etwa 22, während der historische Durchschnitt bei rund 16 liegt. Kombiniert mit sinkender Liquidität durch den Rückzug der Zentralbanken aus ihren expansiven Programmen wird es für die Märkte zunehmend schwieriger, aufwärts zu tendieren.

Prognose: Wie geht es weiter?

Goldman Sachs geht davon aus, dass die Volatilität an den Märkten in den kommenden Monaten zunehmen wird. Ein Rückgang der Aktienmärkte um 10–15 % wird nicht ausgeschlossen, insbesondere wenn sich die makroökonomischen Bedingungen verschlechtern oder geopolitische Schocks auftreten. Gleichzeitig bleibt das Basisszenario für 2025 jedoch moderat optimistisch, sofern die Zentralbanken eine Rezession verhindern können.

Einige zentrale Prognosen lauten:

  • Der S&P 500 könnte kurzfristig auf 4.200 Punkte fallen, sich jedoch bis Ende 2025 auf 5.000 Punkte erholen, wenn die Inflation unter Kontrolle bleibt.
  • Wachstumsaktien, insbesondere im Technologiesektor, könnten weiterhin unter Druck stehen, während defensive Sektoren wie Versorger und Gesundheitswesen relativ besser abschneiden.
  • Der US-Dollar wird voraussichtlich weiterhin stark bleiben, was den internationalen Handel belasten könnte.

Handlungsempfehlungen für Anleger

Goldman Sachs betont, dass Anleger in diesem Umfeld eine defensive Positionierung in Betracht ziehen sollten. Hier sind einige konkrete Strategien:

  1. Diversifikation erhöhen
    Anleger sollten nicht ausschließlich in Aktien investiert sein, sondern ihr Portfolio durch Anlagen in Anleihen, Rohstoffe und alternative Investments wie Gold diversifizieren. Insbesondere Gold wird als Absicherung gegen Inflation und Marktturbulenzen empfohlen.
  2. Defensive Sektoren bevorzugen
    Unternehmen aus den Bereichen Gesundheitswesen, Basiskonsumgüter und Versorger könnten in einem volatilen Umfeld besser abschneiden. Diese Sektoren zeichnen sich durch stabile Erträge aus, selbst in wirtschaftlich schwierigen Zeiten.
  3. Liquidität aufbauen
    Die Wahrscheinlichkeit eines Rücksetzers bietet potenzielle Kaufgelegenheiten. Anleger sollten daher ausreichend Liquidität bereithalten, um bei einer Marktkorrektur günstig einsteigen zu können.
  4. Aktive Risikosteuerung
    Durch den Einsatz von Absicherungsstrategien, wie beispielsweise dem Kauf von Put-Optionen oder Short-Positionen auf Indizes, können Portfolios gegen plötzliche Verluste geschützt werden.
  5. Fokus auf Qualität
    Unternehmen mit solider Bilanz, stabilem Cashflow und starker Marktstellung sollten bevorzugt werden. Diese Qualitätsmerkmale bieten in einem unsicheren Umfeld Schutz und Potenzial für langfristiges Wachstum.

Fazit: Vorsicht und Chancen zugleich

Die Warnungen von Goldman Sachs sollten Anleger nicht in Panik versetzen, sondern als Weckruf dienen, ihre Portfolios auf mögliche Marktkorrekturen vorzubereiten. Die Kombination aus hohen Bewertungen, steigender Inflation und geopolitischen Risiken erhöht zwar die Unsicherheiten, schafft aber gleichzeitig Gelegenheiten für strategische Zukäufe.

Langfristig bleibt der Aktienmarkt ein attraktives Anlageinstrument, insbesondere für diejenigen, die geduldig sind und eine langfristige Perspektive einnehmen. Ein klarer Fokus auf Diversifikation, Qualität und defensiven Strategien wird entscheidend sein, um in diesem Umfeld erfolgreich zu investieren.

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