DAX vor dem Realitätscheck: Rekordhoch trifft auf Zinswende, Ölpreisschock und geopolitisches Risiko

Der DAX startet mit einem bemerkenswerten Spannungsfeld in die neue Börsenwoche: Auf der einen Seite steht ein deutscher Leitindex, der am Freitag bei rund 26.570 Punkten ein neues Rekordniveau erreicht hat und damit die außergewöhnliche Sommer-Rally fortsetzt. Auf der anderen Seite verschlechtert sich das makroökonomische Umfeld ausgerechnet an dem Punkt, an dem die Bewertungen besonders anspruchsvoll geworden sind. Steigende Ölpreise, höhere Anleiherenditen und die überraschend scharfen geldpolitischen Signale des neuen Fed-Chefs Kevin Warsh treffen auf einen Aktienmarkt, der bereits sehr viel Optimismus eingepreist hat.

Der entscheidende Unterschied zu den vergangenen Wochen liegt dabei weniger im DAX selbst als in den Bedingungen, unter denen die Rekordstände entstanden sind. Noch vor wenigen Tagen konnten sinkende Ölpreise, Hoffnungen auf eine weniger restriktive US-Geldpolitik und die anhaltende KI-Euphorie die geopolitischen Risiken überdecken. Nun dreht sich das Bild: Warsh hat in Jackson Hole deutlich gemacht, dass die Fed bei einer hartnäckigen Inflation nicht vor weiteren Zinserhöhungen zurückschrecken will. Die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung im September ist an den Terminmärkten daraufhin deutlich gestiegen. Gleichzeitig zieht Brent wegen der neuen Eskalation im Nahen Osten wieder in Richtung 90 Dollar.

Damit steht der DAX vor einem klassischen Belastungstest. Der Aufwärtstrend ist technisch weiterhin intakt. Fundamental nimmt der Gegenwind jedoch zu. Für Anleger wird deshalb nicht mehr nur die Frage entscheidend sein, ob der DAX sein Rekordhoch überwindet. Viel wichtiger ist, ob er sich oberhalb des Rekordniveaus etablieren kann, obwohl Zinsen und Energiepreise gleichzeitig steigen.

Rekordjagd mit zunehmendem Gegenwind

Der deutsche Leitindex hat in den vergangenen Monaten eine bemerkenswerte Widerstandsfähigkeit gezeigt. Selbst geopolitische Schocks, die zwischenzeitlich für deutliche Rücksetzer sorgten, wurden relativ schnell gekauft. Anfang August überwand der DAX erstmals die Marke von 26.000 Punkten; am Freitag folgte erneut ein Rekordhoch bei rund 26.570 Punkten. Die Marktbreite ist dabei allerdings weniger überzeugend als der reine Indexstand vermuten lässt.

Das ist ein wichtiger Punkt. Ein Index kann neue Höchststände markieren, obwohl längst nicht alle Unternehmen gleichermaßen stark sind. Gerade die Entwicklung einzelner Schwergewichte zeigt, dass die Rally zunehmend selektiv geworden ist. Banken, Versicherer, Industrie- und ausgewählte Technologiewerte konnten profitieren, während andere Titel deutlich hinter dem Gesamtmarkt zurückbleiben.

Der DAX ist damit zwar weiterhin bullisch, aber nicht mehr billig. Je höher die Kurse steigen, desto stärker wird der Markt von positiven Überraschungen abhängig. Genau hier liegt das Risiko für die kommenden Wochen.

Warsh bringt die Zinsfrage zurück

Der größte neue Belastungsfaktor kommt aus den USA. Fed-Chef Kevin Warsh hat bei seiner Rede in Jackson Hole einen deutlich restriktiveren Ton angeschlagen als viele Marktteilnehmer erwartet hatten. Seine Botschaft war im Kern eindeutig: Sollte die Inflation nicht überzeugend in Richtung zwei Prozent zurückgehen, muss die US-Notenbank möglicherweise weiter an der Zinsschraube drehen.

Die Reaktion an den Märkten war entsprechend deutlich. Die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung im September sprang zeitweise auf rund 57 Prozent. Gleichzeitig stieg die Rendite zweijähriger US-Staatsanleihen auf über 4,3 Prozent. Der Dollar legte zu, während Aktien unter dem veränderten Zinsausblick litten.

Für den DAX ist das zunächst ein Problem. Steigende US-Renditen erhöhen die Attraktivität von Anleihen und setzen die Bewertungsmultiplikatoren von Aktien unter Druck. Besonders empfindlich reagieren Unternehmen, deren Bewertung stark auf zukünftiges Gewinnwachstum angewiesen ist.

Das betrifft nicht nur die großen US-Technologiewerte. Auch europäische Wachstums- und Technologietitel müssen sich in einem Umfeld höherer Diskontsätze neu bewähren.

Öl wird wieder zum Spielverderber

Noch gefährlicher für Europa ist allerdings der Ölpreis. Brent ist auf rund 90 Dollar je Barrel gestiegen. Hintergrund sind die neuerlichen Spannungen zwischen den USA und Iran sowie die Sorge um die Energieversorgung im Nahen Osten.

Das ist für den DAX deshalb relevant, weil Deutschland als stark industrialisierte Volkswirtschaft besonders empfindlich auf höhere Energiepreise reagiert. Öl verteuert Transport, Produktion und Logistik. Gleichzeitig sinkt die Kaufkraft der Verbraucher, wenn Energie einen größeren Anteil des verfügbaren Einkommens beansprucht.

Bereits im Juli lag die deutsche Inflationsrate bei 2,8 Prozent. Energiepreise waren dabei ein wesentlicher Treiber. Sollte der Ölpreis dauerhaft in Richtung 95 oder gar 100 Dollar steigen, könnte der Inflationsdruck erneut deutlich zunehmen.

Damit entsteht eine unangenehme Kombination: höhere Inflation bei gleichzeitig höheren Zinsen und schwächerer Konjunktur. Genau dieses Szenario ist für Aktienmärkte deutlich gefährlicher als ein reiner Wachstumsschock.

Die deutsche Wirtschaft liefert trotzdem Argumente für die Bullen

Ganz so einfach ist die Lage allerdings nicht. Der DAX steigt nicht ausschließlich wegen Liquidität und Zinshoffnungen. Die deutsche Wirtschaft zeigt inzwischen einige Anzeichen einer Stabilisierung. Das deutsche BIP legte im zweiten Quartal zu, gleichzeitig verbessern sich verschiedene Frühindikatoren. Auch die Unternehmensgewinne haben sich als robuster erwiesen als noch vor einigen Monaten erwartet.

Hinzu kommen die staatlichen Investitionsprogramme und die steigenden Ausgaben für Infrastruktur und Verteidigung. Gerade für deutsche Industrieunternehmen eröffnet das einen strukturellen Nachfragezyklus, der nicht unmittelbar von der kurzfristigen Konjunkturentwicklung abhängt.

Das erklärt auch, warum der DAX trotz seiner hohen Bewertung stärker bleibt als viele Anleger erwartet hatten. Der Markt handelt nicht nur die Gegenwart, sondern zunehmend die Aussicht auf eine Verbesserung der deutschen Investitions- und Gewinnlandschaft.

Banken und Versicherer bleiben interessant

Ein möglicher Gewinner des neuen Zinsumfelds sind die Finanzwerte. Höhere Zinsen können die Ertragslage von Banken stützen, während Versicherer von höheren Renditen auf ihre Kapitalanlagen profitieren können.

Die Deutsche Bank gehört deshalb zu den interessanteren DAX-Titeln. Die Aktie hat in den vergangenen Wochen bereits von der veränderten Zinsperspektive profitiert. Auch die Commerzbank bleibt aufgrund ihrer hohen Zinssensitivität interessant.

Für Anleger ist allerdings wichtig, zwischen einem kurzfristigen Zinsimpuls und einem nachhaltigen Gewinntrend zu unterscheiden. Steigende Zinsen helfen Banken zunächst. Werden sie jedoch so stark angehoben, dass die Konjunktur deutlich abkühlt, können Kreditausfälle und eine schwächere Kreditnachfrage den positiven Effekt wieder aufzehren.

Siemens Energy bleibt struktureller Favorit

Deutlich interessanter erscheint die Situation bei Siemens Energy. Das Unternehmen profitiert von einem langfristigen Investitionszyklus bei Stromnetzen, Kraftwerken und Energieinfrastruktur. Die wachsende Nachfrage nach Rechenzentren und künstlicher Intelligenz verstärkt diesen Trend zusätzlich, weil der steigende Strombedarf enorme Investitionen in Netze und Erzeugungskapazitäten erfordert.

Siemens Energy hat zuletzt angekündigt, sich stärker auf die margenstärkeren Bereiche wie Gasturbinen und Netzinfrastruktur zu konzentrieren und Teile des Geschäftsbereichs Transformation of Industry abzugeben. Das könnte langfristig zu einem fokussierteren Geschäftsmodell führen.

Die Aktie ist allerdings bereits stark gestiegen und bleibt entsprechend volatil. Sie ist deshalb eher ein struktureller Wachstumswert als ein defensives Investment.

Rheinmetall bleibt vom Konjunkturzyklus weitgehend abgekoppelt

Eine Sonderrolle nimmt Rheinmetall ein. Die Aktie reagiert weniger auf den klassischen Konjunkturzyklus als auf die europäische Sicherheits- und Verteidigungspolitik. Die langfristig steigenden europäischen Verteidigungsausgaben bleiben ein zentraler Wachstumstreiber.

Nach dem deutlichen Rückgang vom Jahreshoch hat sich die Aktie zuletzt stabilisiert. Gleichzeitig zeigt der Kursverlauf, wie hoch die Erwartungen inzwischen waren: Der Titel liegt weiterhin deutlich unter seinem 52-Wochen-Hoch.

Für langfristig orientierte Anleger bleibt Rheinmetall interessant. Für kurzfristige Trader ist die Aktie dagegen ausgesprochen volatil und sollte nicht mit einem klassischen defensiven Wert verwechselt werden.

Automobilwerte mit Nachholpotenzial

BMW, Mercedes-Benz und Volkswagen gehören zu den auffälligeren zyklischen Profiteuren der jüngsten DAX-Bewegung. Gerade BMW zeigte zuletzt eine starke Dynamik. Am Freitag gehörten die Autowerte zu den wichtigsten Treibern des DAX.

Das hat einen interessanten Hintergrund: Ein Teil der Automobilbranche ist bereits mit sehr niedrigen Erwartungen bewertet. Wenn sich die deutsche Wirtschaft stabilisiert und sich gleichzeitig die handelspolitischen Risiken reduzieren, könnte hier erhebliches Aufholpotenzial entstehen.

Allerdings bleibt der Sektor stark von China, Wechselkursen, Zöllen und der Entwicklung der globalen Nachfrage abhängig. Automobilaktien sind daher eher eine zyklische Wette als ein sicherer Hafen.

Wer von steigenden Ölpreisen profitiert

Der größte Gewinner eines anhaltenden Ölpreisanstiegs ist die Energiebranche. Ölproduzenten und integrierte Energiekonzerne profitieren unmittelbar von höheren Verkaufspreisen, sofern die Produktionskosten nicht im gleichen Umfang steigen.

Für europäische Anleger sind beispielsweise Shell, TotalEnergies und BP interessante Beobachtungskandidaten. Ein Ölpreis oberhalb von 90 Dollar verbessert grundsätzlich die Ertragsperspektiven des Sektors.

Doch auch hier gilt: Ein explodierender Ölpreis ist nicht automatisch positiv. Steigt Brent zu schnell, kann die dadurch ausgelöste Konjunkturbelastung irgendwann die Nachfrage zerstören. Für die Energieaktien wäre deshalb ein moderat hohes Preisniveau günstiger als ein unkontrollierter Ölpreisschock.

Wer unter dem neuen Umfeld leidet

Zu den potenziellen Verlierern gehören vor allem energieintensive Unternehmen, zyklische Konsumwerte und hoch bewertete Wachstumsaktien.

Chemieunternehmen wie BASF sind besonders empfindlich gegenüber steigenden Energie- und Rohstoffkosten. Auch Unternehmen aus der Grundstoffindustrie müssen mit höheren Produktionskosten rechnen. Der Effekt ist allerdings differenziert: Stahl- und Baustoffhersteller können gleichzeitig von Infrastrukturinvestitionen und höheren Verkaufspreisen profitieren.

Auch die Luftfahrt bleibt anfällig. Steigt Brent deutlich weiter, verschlechtert sich die Kostenstruktur der Airlines. Lufthansa gehört deshalb derzeit eher auf die Watchlist als in ein offensives Depot.

Bei Technologieaktien ist die Situation ambivalent. Der langfristige KI-Trend bleibt intakt, aber steigende Renditen erhöhen die Bewertungsrisiken. Besonders gefährdet sind Unternehmen, deren Aktienkurse bereits sehr hohe zukünftige Gewinnsteigerungen voraussetzen.

Gold bekommt Rückenwind – aber nicht ohne Risiko

Gold befindet sich in einem ungewöhnlichen Spannungsfeld. Höhere US-Renditen sind grundsätzlich negativ für das unverzinste Edelmetall. Gleichzeitig sprechen geopolitische Risiken, Inflationssorgen und die Unsicherheit über die Geldpolitik für Gold.

Derzeit überwiegt der Renditeeffekt. Sollte der Dollar weiter steigen und die US-Renditen weiter klettern, könnte Gold kurzfristig unter Druck geraten. Die strukturelle Nachfrage bleibt jedoch ein wichtiger stabilisierender Faktor.

Für Anleger ist Gold deshalb weniger ein kurzfristiger Trade als eine Versicherung gegen die Risiken, die gerade wieder sichtbar werden: Inflation, geopolitische Eskalation und eine mögliche geldpolitische Fehlsteuerung.

Dollar gewinnt – Euro gerät unter Druck

Auch am Devisenmarkt hat sich das Kräfteverhältnis verändert. Der Dollar hat nach Warshs Aussagen deutlich zugelegt. Gleichzeitig geriet der Euro gegenüber dem Greenback unter Druck. Der Dollar-Index liegt wieder nahe 100 Punkten.

Sollte die Fed tatsächlich im September die Zinsen erhöhen, könnte der Dollar kurzfristig weiter profitieren. Ein stärkerer Dollar wäre wiederum ein Belastungsfaktor für Rohstoffe und Schwellenländer, gleichzeitig aber eine Unterstützung für europäische Unternehmen mit hohen US-Umsätzen.

Für DAX-Anleger ist das ein wichtiger Punkt: Ein schwächerer Euro verbessert die Wettbewerbsfähigkeit vieler deutscher Exportwerte. Deshalb ist ein moderater Dollar-Anstieg nicht zwangsläufig negativ für den deutschen Aktienmarkt.

Charttechnik entscheidet über die nächste Bewegung

Technisch bleibt das Bild erstaunlich eindeutig. Der DAX befindet sich weiterhin in einem übergeordneten Aufwärtstrend. Entscheidend ist derzeit die Zone um 26.277 Punkte, an der die 20-Tage-Linie verläuft. Solange der Index oberhalb dieser Marke bleibt, bleibt die Rekordjagd aus charttechnischer Sicht intakt.

Auf der Oberseite liegt das bisherige Rekordniveau im Bereich von 26.600 Punkten. Ein nachhaltiger Ausbruch darüber könnte zunächst Ziele im Bereich von 26.800 und anschließend 27.000 Punkten aktivieren.

Die entscheidende Gefahr liegt dagegen unterhalb von 26.277 Punkten. Ein Tagesschluss darunter würde das kurzfristige Momentum deutlich schwächen. Unterhalb der Zone um 26.200 Punkte würde sich das technische Bild weiter eintrüben. Die nächste größere Auffangzone liegt anschließend im Bereich um 25.600 Punkte.

Damit ist die technische Situation klar: Oberhalb von 26.600 Punkten entsteht neues Aufwärtspotenzial – unterhalb von 26.200 Punkten steigt das Korrekturrisiko erheblich.

Prognose: Rekordhoch bleibt möglich, aber September wird härter

Mein Basisszenario für die kommenden Wochen bleibt zunächst moderat bullish. Der DAX hat einen außergewöhnlich starken Trend und profitiert von robusten Unternehmensgewinnen, steigenden Investitionen und einer weiterhin hohen internationalen Kapitalnachfrage.

Allerdings dürfte die Schwankungsbreite zunehmen. September ist traditionell kein einfacher Börsenmonat, und diesmal kommen außergewöhnlich viele Unsicherheitsfaktoren zusammen: Fed-Politik, US-Arbeitsmarktdaten, Inflation, Ölpreis, Iran-Konflikt und die weitere Entwicklung der KI-Aktien.

Das wahrscheinlichste Szenario ist deshalb nicht der unmittelbare Absturz, sondern eine volatile Seitwärtskonsolidierung auf hohem Niveau, aus der anschließend die nächste Trendbewegung entsteht.

Ein Ausbruch über 26.600 Punkte könnte den DAX zunächst in Richtung 26.800 bis 27.000 Punkte führen. Ein Rückfall unter 26.277 Punkte würde dagegen eine Korrektur in Richtung 26.000 beziehungsweise 25.600 Punkte wahrscheinlicher machen. Die aktuelle XTB-Analyse kommt ebenfalls zu einer seitwärts bis aufwärts gerichteten Grundtendenz und sieht die 20-Tage-Linie als entscheidende technische Unterstützung.

Diese Aktien sind für Anleger interessant

Unter den deutschen Einzelwerten erscheinen derzeit vor allem Siemens Energy, Deutsche Bank, Rheinmetall und BMW interessant – allerdings aus völlig unterschiedlichen Gründen.

Siemens Energy ist der strukturelle Wachstumswert auf der Liste. Deutsche Bank profitiert vom veränderten Zinsumfeld. Rheinmetall bietet langfristiges Wachstum durch den europäischen Verteidigungszyklus. BMW wiederum ist die zyklische Turnaround-Wette mit attraktiverem Bewertungsprofil.

International bleiben Shell beziehungsweise TotalEnergies interessante Absicherungen gegen einen weiteren Ölpreisanstieg. Bei Technologieaktien würde ich dagegen selektiver vorgehen. Nvidia bleibt fundamental stark, ist nach dem KI-Boom aber deutlich stärker von hohen Erwartungen abhängig. Für neue Positionen wäre ein Rücksetzer attraktiver als ein aggressiver Einstieg auf Rekordniveau.

Handelsempfehlung: Nicht dem Rekord hinterherlaufen

Für kurzfristige Anleger ist die aktuelle Situation kein ideales Umfeld für blindes Kaufen. Der bessere Ansatz besteht darin, die Schlüsselmarken zu handeln.

Long: Ein nachhaltiger Ausbruch über 26.600 Punkte wäre ein prozyklisches Kaufsignal mit möglichen Zielen bei 26.800 und 27.000 Punkten.

Pullback-Long: Fällt der DAX zurück, stabilisiert sich aber oberhalb von 26.250 bis 26.300 Punkten, wäre ein antizyklischer Einstieg interessanter als ein Kauf direkt am Rekordhoch.

Short: Unterhalb von 26.200 Punkten würde sich das Chance-Risiko-Verhältnis zugunsten der Bären verschieben. Unter 26.000 Punkten wäre eine Bewegung in Richtung 25.600 Punkte denkbar.

Bei Einzelaktien würde ich derzeit eher Siemens Energy und Deutsche Bank auf Rücksetzer kaufen, während Rheinmetall nur mit einer geringeren Positionsgröße gehandelt werden sollte. Bei BMW bietet sich ein prozyklischer Einstieg bei bestätigter Stärke an. BASF und Lufthansa würde ich angesichts des Ölpreisrisikos zunächst zurückhaltender beurteilen.

Fazit: Der DAX braucht jetzt mehr als gute Nachrichten

Der DAX hat sich in den vergangenen Monaten von einem skeptisch betrachteten europäischen Aktienmarkt zu einem der stärksten großen Aktienindizes entwickelt. Genau darin liegt inzwischen aber auch die Gefahr. Die Kurse haben einen erheblichen Teil der positiven Entwicklung bereits vorweggenommen.

Der Markt muss jetzt beweisen, dass die Gewinne schnell genug steigen, um die hohen Bewertungen zu rechtfertigen. Gleichzeitig darf die Inflation nicht wieder deutlich anziehen, die Fed darf die Zinsen nicht stärker erhöhen als erwartet und der Ölpreis darf nicht dauerhaft explodieren. Hinzu kommt der Iran-Konflikt, der jederzeit neue Preisschocks auslösen kann.

Noch spricht die Charttechnik für die Bullen. Der DAX notiert über seinen wichtigen gleitenden Durchschnitten und nahe dem Rekordhoch. Doch die Rally steht vor einer neuen Bewährungsprobe.

Für Anleger bedeutet das: Nicht der Rekord selbst ist das Problem, sondern die Kombination aus Rekordbewertung und steigenden Risiken. Wer jetzt investiert, sollte deshalb nicht mehr einfach den gesamten Markt kaufen, sondern gezielt auf strukturelle Gewinner setzen. Energieinfrastruktur, Banken, Verteidigung und ausgewählte Zykliker bieten derzeit das interessantere Chance-Risiko-Verhältnis. Bei hoch bewerteten Wachstumswerten und energieintensiven Unternehmen ist dagegen mehr Vorsicht angebracht.

Der DAX kann durchaus noch in Richtung 27.000 Punkte steigen. Aber der Weg dorthin dürfte wesentlich steiniger werden. Entscheidend ist deshalb weniger die Frage, ob das nächste Rekordhoch kommt – sondern ob der Markt die Kraft besitzt, es nachhaltig zu verteidigen.

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